Fehlermeldung

Notice: Undefined index: localized_options in menu_navigation_links() (Zeile 1873 von /mnt/web109/c1/47/51166947/htdocs/hospiz.git.drupal/includes/menu.inc).

„Muss man sich hier nicht die Schuhe ausziehen?“, fragt Mustafa (14)*erstaunt, als er die Liebfrauenkirche in Köln-Mülheim betritt. „Und wo sind denn die Gebetsteppiche?“

Er und etwa zwanzig Mitschüler/innen der 8.Klasse des nahe gelegenen Genoveva-Gymnasiums sind am diesem 21. März 2019 der Einladung des Hospizvereins Köln-Mülheim e.V. gefolgt, um in der Liebfrauenkirche die Ausstellung „Zu guter Letzt“ zu besichtigen, die einen anschaulichen Einblick in Bestattungskulturen Deutschlands und der Welt vermittelt.

Dieser Kontakt zwischen dem „Arbeitskreis Schule“ des Hospizvereins und dem Mülheimer Genoveva-Gymnasium entstand bereits im Herbst 2018, als Alexandra Dickersbach, Maria Schneider und Uli Leikauf vom o.a. Arbeitskreis auf Einladung des Philosophielehrers Daniel Wiedmer zwei Doppelstunden zum Thema „Sterben und Tod“ mit den Schüler/innen des 8.Jahrgangs gestalten durften, die bei diesen jungen Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Religionen reges Interesse hervorrief.
Und so waren wir auch sehr erfreut, als dieselben Schüler/innen und ihr Lehrer nun unsere Einladung zur geführten Ausstellungsführung - sozusagen als Fortsetzung des damaligen Unterrichtsbesuchs - sofort gerne annahmen.

Nach einer kurzen herzlichen Begrüßung durch Christoph Schmidt, Koordinator im Hospizverein Köln-Mülheim e.V. beantwortete Uli Leikauf, der den Besuch moderierte, zunächst einmal allgemeine Fragen zu Kirche und christlichem Gottesdienst, denn die Mehrheit der Schüler/innen stammen aus anderen Religionen. Dass man sich vor der Kirche nicht wäscht, die Schuhe anbehalten darf, Männer und Frauen nicht getrennt sitzen und die Gemeinde statt auf Gebetsteppichen von den Kirchenbänken aus betet, stieß vor allem bei den jungen Muslimen auf Erstaunen. Einigen fiel auch der Kontrast auf zwischen altem und renoviertem modernen Baustil im Kirchenschiff und -decke, eine bittere Folge aus Krieg , Bombardierungen und zwangsläufigem Wiederaufbau , von denen auch Mülheim und die Liebfrauenkirche seinerzeit nicht verschont geblieben war.

Bei der eigentlichen Führung durch die Ausstellung „Zu guter Letzt“ zogen neben einem offenen, ausstaffierten Sarg so manche „exotischen“ Exponate und Fotos die Aufmerksamkeit der jungen Besucher auf sich. Dass prominente Verstorbene wie Konrad Adenauer, Michael Jackson, Beatle John Lennon oder auch Lady Di besonders auffällige Särge, Gräber und Bestattungszeremonien hatten, war noch nachvollziehbar. Aber Särge bzw. Urnen aus Südamerika in Form eines Fußballs oder Autos riefen Staunen und Heiterkeit hervor. Überhaupt war festzustellen, dass manche Kulturen den Tod mit durchaus fröhlichen Ritualen begehen und dass statt der in Europa vorwiegenden Trauerfarbe Schwarz dort weiße Kleidung bei Bestattungen getragen wird. Auf Ablehnung stieß dagegen bei den meisten ein Fotodokument aus Indonesien, das die alljährliche rituelle Exhumierung und Neubekleidung eines Leichnams zeigte .

Doch auch hierzulande gab es früher merkwürdige Rituale : So war z.B. ein hundert Jahre altes weißes Leichenhemd zu bestaunen – einst das Geschenk an einen jungen Eifeler Bauernjungen zur Kommunion ! Nur damit er sich bereits in jungen Jahren stets der Vergänglichkeit des Lebens bewusst sein möge ! Da erinnerten sich die anwesenden Schüler/innen doch erleichtert an schönere eigene Kommunions-, Konfirmations- oder Beschneidungsfest- Geschenke !

Zum Abschluss gab es noch Freigetränke, dankenswerterweise gestiftet von der Pfarrgemeinde. Ein rundum gelungener und bereichernder Ausstellungsbesuch, der bei den jungen Menschen sicherlich noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.

Uli Leikauf

(*Name von der Redaktion geändert )